Heineken Regatta and how to get there
Tasche gepackt, Abflug 10 Uhr ab Hamburg- entspannt! Wecker, Kaffee, letzte Dusche vor St. Maarten/ Karibik- nice. Verträumter Blick aufs Handy: SMS von Air France- voll 80er aber auch nett. "Ihr Flug wurde gecancelled". WTF? Ich bin hellwach. Die wollten doch erst morgen streiken. Ab zum Flughafen; es begrüsst mich eine knallrote Anzeigetafel. Hier geht nix mehr, nicht heute, nicht morgen, vielleicht übermorgen, nowbody knows. Planloses Personal, dauerbesetzte Hotline, Internetseite down- leck mich am A****. Maximal genervt suche ich nach Lösungen. Ich muss es irgendwie nach Paris schaffen- zeitnah. Während ich nachschaue, verabschieden sich sukzessive Anreiseoptionen, sind Züge ausgebucht, Busse voll - wobei der Gedanke an eine Busfahrt nach Paris ohnehin Schmerzen auslöst. Drei Kaffee später existieren kaum mehr bezahlbare Optionen nach Paris... ausser ein Nachtbus; 15 Stunden, 88 Euro- gebucht. Aussergewöhliche Situationen erfordern aussergewöhnliche Massnahmen.
Sonntag, 15 Uhr, die Reise beginnt- 15 Stunden Busfahrt nach Paris- nix Taxi. Zur Entspannung suche ich nach meinen EarPods- vergebens, die liegen zu Hause. Also fällt die absolute Noise-cancelled Ruhe bis in die Karibik aus. In Gedanken sehe ich mich unverrichteter Dinge aus Paris mit dem nächsten Bus wieder abreisen, da ich bis dato kein Ticket für den Flieger nach St. Maarten habe- denk nach! Ich suche nach irgendeiner AirFrance Hotline mit französicher Vorwahl. Ein bisschen Englisch werden sie ja können.... und ich hab Glück. Ich komme durch, die Dame spricht super Englisch und sichert mir einen Platz auf dem Flieger morgen um 10:40 Uhr.
Nach Plan werde ich morgen früh in Charles de Gaulles/ Paris ankommen, sofern der Bus nicht im Stau stecken bleibt. Ich wechsel von Kaffee auf Bier. Moment- gibt es hier im Bus überhaupt ein Klo und wie sieht das aus? Der Flixbus hat 12 Zwischenstops auf dem Weg nach Paris und ich keine Sitzplatzreservierung. An jedem Halt zucke ich zusammen und hoffe, dass mich niemand von meinem Platz vertreibt- das Erlebnis ist echt grenzwertig.
Paris Montag morgen 6:15 Uhr- die Haare liegen nicht - kein Drei Wetter Taft. Aber ich habe die erste Etappe gemeistert und fühle mich super. 4 1/2 Stunden bis zum Abflug, egal. Das Ticket und die überstandene Sicherheitskontrolle feiere ich mit einem Glas Champagner. Ich bin so happy, dass ich nur mit Handgepäck reise und freue mich extremst auf den ersten Rum Punch mit der Crew in dieser netten Bar direkt neben der Brücke.
Nachricht von Bord: "Schau bitte, ob Du am Flughafen gleich wieder ausklarieren kannst, wir wollen dann direkt weiter." Weiter? Darf ich erst mal ankommen? Und wieso, wohin? Der Grund hinter der Crewunruhe ist nachvollziehbar. Krankheitsbedingt konnte die Haspa nicht an der Heineken Regatta teilnehmen, zumindest nicht am Segelprogramm. Beim Partyprogramm wurde offensichtlich nichts ausgelassen, aber jetzt waren sie heiss auf Segeln.
Montag 15:30 Uhr local Carribean time, also -mit Warten- weitere 15 Stunden später, minus 5 Std Zeitverschiebung. Mein Flieger setzt durch eine der spektakulärsten Einflugschneisen der Welt zur Landung an. Ich bin angekommen, zumindest in der Karibik. Das Chaos des Fluglotsenstreiks liegt hinter mir, wann die Entspannung eintreten wird, steht aktuell noch in den Sternen.
Die nun folgenden Szene wirkt zwischen den ganzen Megayachten und teuren Wasserspielzeugen in der Simpson Bay und vor der Brücke eher verstörend. Zwei junge, extrem attraktive Ladies -Caro und Gesine- kommen auf die Immigration Control im Dinghi zugerudert, zu um mich abzuholen. Der Aussenborder ist breit. Zwischen Verständnislosigkeit sehe ich Neid in den Augen einiger Zuschauer. Offiziell hat die Immigration Control seit 30 Minuten geschlossen. 10 Kniefälle später habe ich auch direkt wieder ausklariert, gut 90 Minuten nach meiner Ankunft in der Karibik. Die Crew empfängt mich herzlich; leider ohne den ersehnten Begrüssungscockail.
Rettungsweste über, weiter gehts nach Antigua- 15 weitere Stunden. Ich werde bekloppt. 13 Leute an Bord... und die Jugend von heute reist aus verschiedensten Gründen mit grossem Gepäck; eigene Koje- Fehlanzeige.
Der grosse Vorteil von den vielen Menschen an Bord besteht jetzt allerdings darin, dass wir mit 3 Wachen fahren können- also bleibt viel Zeit zum Schlafen- nur wo und wie? Ich quetsche mich in die untere Koje an Steuerbord. Unter mir meine 270 Euro teuere Luftmatratze- mein Luxus, über mir -auf Kontakt- die mit Klamotten vollgestopften Taschen. In der Hektik des Gefechts habe ich wohl meine Luma in den Flaschenzug eingeklemmt. Zumindest ist sie zeitnah platt- kein Luxus mehr. Wie angehem war es doch im Flixbus letzte Nacht?
Da ich nun seit über 30 Stunden unterwegs bin, ist mein Tag-Nacht Rythmus ohnehin nicht mehr existent. Ich geniesse meine erste Wache im Sonnenuntergang bei 8 Knoten Fahrt, 15 Knoten Wind, 24 Grad- dafür bin ich hergekommen, dafür hat sich der Stress schon gelohnt. Ich schaue in glückliche Gesichter. Nach einer Woche im Hafen haben sie sich alle so sehr genau hiernach gesehnt.
Antigua begrüsst uns mit der aufgehenden Sonne; Nelsons Dockyard, Englisch Harbour, Rum Punsch- here we come!