Norwegen - Wir wollen weiter in den Norden
Nach einer hellen Nacht fanden wir doch noch den Weg in die Koje. Morgens holte uns nun endlich das kalte norwegische Wetter ein. Regen prasselte unermüdlich auf das Deck.
Während die einen ihre Passion fürs Angeln fanden, gingen andere auf eine kurze Wanderung durch die Stadt und wieder andere machten sich auf eine längere Wanderung. Ein essbarer Fisch wurde nicht gefangen.
Wiederholt prüfe ich das europäische, deutsche und norwegische Wettermodell. Alle sind sich einig, dass es gerade so ausreichend Wind gibt um von Vikøyri aus dem Fjord zu Segeln. Also stelle ich die Crew „Smooth Sailing“ ein.
Kaum ist der Liegeplatz verlassen, Motoren wir noch um einen Berg, bevor es auf den Hauptfjord geht. Dort sehen wir wie die Gischt über die Wellen fliegt. Im Fjord hat sich eine kräftige Düse gebildet. Also schnell wieder hinterm Berg verstecken und ein 1. Reff und eine G3.5 hoch. Voll in der Düse angekommen wird weiter gerefft und die G5 gesetzt.
So stellte ich mir dies sogenannte „Smooth Sailing“ nicht vor, aber alle hatten Spaß bei 25kn an der Kreuz.
Hinter jeden Fjordabzweig ändern sich Windrichtung und Windstärke. Je weiter wir rauskommen, umso schwächer wird die Düsenwirkung und Stück für Stück kann die Segelfläche wieder vergrößert werden.
Kurz vorm Fjordausgang ein letztes Wetterupdate. Die Vorhersage für Kristiansund ist doch ruppiger als am Morgen. Daher geht es nach Florø anstatt nach Kristiansund.
So langsam geht es raus auf den Nordatlantik und der Schwell gibt und einen Vorgeschmack auf das, was kommt. Die Ausfahrt von dem Fjord auf den Atlantik ist gerade für mich als Skipper sehr fordernd. In Sichtweite sind die 2m Untiefen mit berechnenden Wellen nur einem kleinen Stack markiert. Was ein Glück, dass die Sonne hier kaum untergeht.
Wir suchen uns den Weg durch den tiefen Bereich, wo es 400m Wassertiefe hat.
Der Schwell wird größer, der Wind nimmt zu und bevor es draußen richtig losgeht, wird nochmal eingerefft. Während die Crew die Haspa auf über 15kn bringt, machen sich einige zum ersten Mal in ihrem Leben ein Freeze Dried. Richtiges Offshore Segeln eben.
Umso dichter es in Richtung Küste geht, desto stärker und intensiver wird der Regen.
In Florø finden wir einen tollen Liegeplatz und beschließen es nicht weiter nach Norden zu probieren. Zu starke Winde und ein gebuchtes Event (mehr dazu in den kommenden Berichten), lassen es nicht anders zu.
Am Hafentag wird das Schiff getrocknet, aufgeräumt, gut gekocht und fleißig geangelt. Der lokale Angelshop wird mehrfach besucht. In Gedanken wird die Haspa zu einem Offshore Trawler umgebaut. Nur in Gedanken.
Einen richtigen Fisch haben wir noch immer nicht an der Angel.
Kurz nach Mitternacht lösen sich die Regenwolken auf und die Sonne beginnt zu scheinen. Etwas verwundert gehen wir an Deck und genießen die Sonnenstrahlen in der Nacht. Sommer in Mittelnorwegen.
Am Morgen geht es über eine aufgewühlten Nordatlantik in Richtung Bergen. Erst gerefft später mit A6 und vollem Groß in Richtung Süden.
Dort angekommen ist die Stadt voller Fußballfans. Norwegen spielte an diesem Abend gegen Brasilien und gewinnt. Selten haben wir Norweger so extrovertiert erlebt.
Teaser für den folgenden Bordbericht:
Winddreher, der letzte Regen, Double Header und Norweger die sich über ein so schönes Schiff freuen.







