Zum Hauptinhalt springen

Haspa Hamburg - Garmin Round Denmark Race 2026

Vom Plan einer entspannten Sommertour zu Line Honours und einem neuen Streckenrekord.

Eigentlich begann alles mit der Idee einer entspannten zweiwöchigen Sommertour rund um Dänemark. Die Resonanz war groß, und schnell fand sich eine bunt gemischte Crew zusammen. Im Laufe der Planung entwickelte sich aus dem Urlaubstörn jedoch eine klassische Race-Tour: erst ein paar entspannte Tage, um einzusegeln und die Haspa Hamburg regattafertig zu machen, anschließend volle Konzentration auf das Garmin Round Denmark Race und danach eine gemütliche Rücktour nach Kiel.

 

Die Wahl fiel auf das Garmin Round Denmark Race – eine rund 680 Seemeilen lange Regatta durch das Heimatrevier zwischen den dänischen Ostseeinseln. Start und Ziel liegen im schönen Aarhus, der Heimat nordischer Lebensfreude.

 

Bis Sonntagabend war die zwölfköpfige Crew komplett an Bord. Geplant war, am Montagmittag auszulaufen – doch spontane Elektrikprobleme machten einen Strich durch die Rechnung. Stattdessen gab es einen zusätzlichen Hafentag, den unsere ehemaligen Aarhuser nutzten, um der Crew die Stadt und ihre besten Cafés zu zeigen. Nachdem die Technik wieder funktionierte, ging es am Dienstag endlich Richtung Ebeltoft, wo es übrigens ein schönes Glasmuseum – und, noch wichtiger, Softeis – gibt. Auf dem Weg wurden zahlreiche Manöver trainiert, insbesondere sicherheitsrelevante Cap-over-Board-Manöver, die anschließend perfekt saßen.

 

Konträr zum nordischen Understatement wurde dem Veranstalter unser Motto „In it to win it“ öffentlich kommuniziert. Damit war die Erwartungshaltung gesetzt, und wir standen ein wenig unter Zugzwang, jetzt auch abzuliefern. Mit genau diesem Anspruch wuchs aus einer frisch zusammengestellten Mannschaft innerhalb weniger Tage ein eingespieltes Regattateam.

 

Schon auf dem Rückweg nach Aarhus bekamen wir mit kräftigem Wind auf die Nase einen Vorgeschmack auf das, was uns im Rennen erwarten sollte. Die letzten Stunden vor dem Start vergingen wie immer viel zu schnell mit Ausstauen, letzten Vorbereitungen und auch hier wieder Softeis.

 

Die Startlinie lag für uns nicht ganz ideal dicht unter Land in flachem Wasser und mit achterlichem Wind. Wir schafften es dennoch pünktlich über die Linie, bekamen schnell den Gennaker hoch und setzten uns mit gutem Speed schnell an die Spitze des Feldes. Es folgte zunächst ein ruhigerer, aber hochkonzentrierter Downwind, bevor der Kurs zunehmend höher wurde und wir mit ordentlich Druck halbwinds Richtung Skagen heizten.

 

Das 2-2-2-Wachsystem hatte vor dem Start noch für einige Skepsis gesorgt, funktionierte im Rennen aber außerordentlich gut. Auch nachdem die ersten Crewmitglieder der Seekrankheit Tribut zollen mussten, blieb unsere Performance konstant hoch. Die beiden stärksten Konkurrenten – „Palby Marine“ und „Tri“ – waren uns nun ein paar Meilen voraus.

 

Bei Skagen angekommen, wartete ein seltenes Manöver auf uns: eine Halse von einem Reach-Kurs auf Steuerbordbug auf einen Reach-Kurs auf Backbordbug. Um die gut befeuerte Kardinaltonne herum ging es weiterhin mit Speed Richtung Öresund, den wir rund 24 Stunden nach dem Start erreichten. Ein paar enge Wenden und wichtige taktische Entscheidungen später ließen wir Kopenhagen hinter uns und nahmen Kurs auf den entferntesten Punkt im Race: Christiansø.

 

Am morgen des Bergfests war eines klar: Wir hatten nur wenig Rückstand auf die Konkurrenz und die Bedingungen auf dem Weg zurück nach Aarhus werden hart. Jetzt kam der Zeitpunkt an dem die Haspa Hamburg und der HVS seine echte stärke zeigen kann. In der Bergfest Rede wurde klargestellt: Zwei Tage schnell segeln kann jeder, aber „hinten scheißt die Ente“, beim offshore segeln geht es um Motivation, Durchhaltevermögen und Konsistenz.

 

Nach einer nervenaufreibenden Flaute brachte die Nacht die erwarteten Bedingungen, die uns auf dem Leaderboard nach vorne bringen sollten: viel Wind auf die Nase und ordentlich Welle.

 

Mit zunehmendem Wind wurde am Abend die Segelfläche verkleinert, ohne dabei auch nur einen Moment nachzulassen. Am nächsten Tag erreichte uns eine Nachricht, die niemand hören wollte: Unser größter Konkurrent hatte in der Nacht Teile seines Mastes verloren. Zum Glück blieb die Crew unverletzt. Der Druck im direkten Duell war damit zwar geringer, doch schon wenig später rückte ein neues Ziel in den Fokus: Der Streckenrekord war in realistischer Reichweite.

 

Also wurde weiter um jeden Zehntelknoten Geschwindigkeit und jeden Grad Höhe gekämpft. Hoch am Wind ging es mit steilen Wellen auf den Kleinen Belt zu, wo die Welle langsam abnahm. Der wie immer taktisch anspruchsvolle Abschnitt durch den Belt verlangte noch einmal höchste Konzentration. Auf riskante Abkürzungen verzichteten wir bewusst, blieben im tiefen Wasser und hatten das Ziel fest im Blick.

 

Danach folgte Segeln, wie man es sich wünscht: rund 17 Knoten Wind, flaches Wasser und schnelles Vorankommen Richtung Aarhus. Nur kurz unter Gennaker, aber über viele Stunden konstant schnell.

 

Nach 85 Stunden, 33 Minuten und 34 Sekunden überquerten wir als erstes Boot die Ziellinie vor dem Aarhus International Sailing Center. Damit stellte die Haspa Hamburg einen neuen Streckenrekord auf und unterbot die bisherige Bestmarke um mehr als fünfeinhalb Stunden.

 

Damit konnten nicht nur die Line Honours und ein neuer Streckenrekord, sondern auch ein zweiter Platz in der ORC-Wertung eingefahren werden.

 

Um 3:33 Uhr morgens wurden wir von vier Mitgliedern des Organisationsteams herzlich empfangen – mit Sekt, Croissants, Kaffee und Bier. Nach fast vier Tagen auf See hätte der Empfang kaum schöner sein können. Vielen Dank an das Organisationsteam für diese Gastfreundschaft!

 

Nach etwas Schlaf folgten die klassischen Programmpunkte nach einer erfolgreichen Regatta: Aufräumen, Sektfrühstück, Bootsputz, wieder Einstauen und am Abend den Sieg mit bester Stimmung feiern.

 

Passend zum Ende des Rennens zeigte sich schließlich auch die Sonne wieder. Bei Kaiserwetter und angenehmen Winden genossen wir die letzten Urlaubstage und überführten die Haspa Hamburg mit einigen Badepausen über Fredericia und Olpenitz zurück nach Kiel.

 

Was als entspannte Sommertour begonnen hatte, endete mit einem Streckenrekord, einem Klassensieg, ORC-Silber und einer Crew, die in wenigen Tagen zu einem echten Team zusammengewachsen war.

 

In it to win it – and we did it.