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Blue Ribbon Cup 2026

Einmal Aarhus und zurück: mit vielen Segelwechseln, neuen Spitznamen und ein wenig kultureller Bildung

Etwas verschlafen gucke ich auf mein Handy. Es ist kurz vor zehn und als Klischee-Student bin ich gerade erst aufgewacht, als Debbie mir schreibt, dass noch Ersatz für den Blue Ribbon Cup auf der Haspa gesucht wird. Wie es der Zufall will, ist am Abend vorher mein geplanter Segelurlaub abgesagt worden. Also werden schnell die Details geklärt und ich sage zu. Doch nochmal segeln diese Saison. Am Montag packe ich etwas hektisch meine Tasche und nachdem ich die letzten Dinge in Hamburg erledigt habe, fahre ich abends nach Kiel. Kurz steht zur Debatte, ob ich den Rest der schon am Morgen angereisten - oder vom Schnuppersegeln gleich da gebliebenen - Crew im Irish Pub treffe. Schließlich bringe ich dann aber doch zunächst meine Tasche zum Boot und treffe die anderen dort. Am Dienstag kommt dann unser letztes Crewmitglied mit Geburtstagskuchen im Gepäck an und wir starten in einen Trainingstag bei viel Sonnenschein, der nur gelegentlich von kleinen Regenwolken unterbrochen wird. Munter wechseln wir diverse Segel, testen Positionen und sammeln Ideen, was wir noch so alles optimieren können. Abends gibt's dann Curry und die ersten Crewmitglieder der Störti werden von uns begrüßt.

 

Am Mittwoch bereiten wir dann das Boot endgültig vor und ruhen uns alle nochmal kurz aus, bevor um 19:15 der Startschuss für uns fällt. Leider haben wir den Wind in der Förde doch deutlich überschätzt, sodass wir mit der Jib Top vor uns hin dümpeln, während links und rechts unter Code Zero und Kite losgefahren wird. Ein hier nicht näher benanntes Crewmitglied tauft die Jib Top sarkastisch auf "Jib Flop" um. Alles ärgern und hoffen bringt nix, es muss ein Segelwechsel her! Also kurz umbauen und dann startet unsere Aufholjagd unter A3 von hinten. Langsam schließen wir die Lücke zu den Booten vor uns. Bei Als liefern wir uns dann nächtliche Battle zunächst kurz mit der Sakura und später holen wir auch die Faju wieder ein. Wir können bestätigen: euer Scheinwerfer funktioniert und ist wirklich hell ;) Nachdem wir uns von diesem spontanen nächtlichen Sonnenaufgang erholt haben, schieben wir uns mittlerweile wieder unter Jib Top zunächst mühsam an der Faju vorbei, nur um danach wieder zurücküberholt zu werden. Im kleinen Belt starten wir dann einen Manöver Dauerlauf, der uns zwar sicher unter beiden Brücken als auch durch alle plötzlich auftretenden Querströmungen und Flauten bringt, doch leider fährt uns die Faju hier aber endgültig davon. Wir segeln also östlich an Samsø vorbei und biegen danach Richtung Aarhus ab. Kurz vorher dreht der Wind, sodass wir in der letzten Stunde erst von A3 auf A0 und dann auf die G2,5 wechseln müssen, um ins Ziel zu kommen. Und um der Bezeichnung Wassersport gerecht zu werden, übernimmt der eintretende Regen dann auch überaus gründlich die Entsalzung unseres Ölzeugs.

 

In Aarhus angekommen genießen wir Hotdogs und Anleger-Getränke und freuen uns danach sehr über eine warme Dusche. Abends gehen wir zusammen mit der Störti Crew essen und warten danach gemeinsam auf die Ankunft der Peggy. Da am nächsten Morgen kein Segeln ansteht, testet die eine Hälfte der Crew noch mal mehr und mal minder ausgiebig die Feiermöglichkeiten in Aarhus, während die andere Hälfte den Tag entspannt mit einer Runde Uno an Bord ausklingen lässt. Am nächsten Morgen frühstücken wir mit allen Crews gemeinsam und erfahren, dass man eine Runde Segeln auf einem alten Haifischkutter gewinnen kann. Schnell werden Lose organisiert und durch wirklich äußerst konzentriertes Auf-die-Lose-starren gelingt es uns drei Plätze zu ergattern. So werden dann Pläne für den Tag gemacht und bei leichtem Nieselregen machen wir uns samt Smock auf den Weg zum ARoS Kunstmuseum mit zwei Zwischenstops bei den örtlichen Bäckereien. An dieser Stelle für sowohl das Museum als auch die dänischen Bäcker eine große Empfehlung! Nachmittags steht dann noch die Wartung einer Winsch an, die nur kurzzeitig durch das gemeinsame Barbecue unterbrochen wird. Als die Winsch wieder zusammen gesetzt ist und sich wie neu anhört, fallen alle müde in die Koje, um am nächsten Morgen erholt die Rückregatta antreten zu können.

 

Bei bestem Segelwetter startet der nächste Tag. Der Start ist ähnlich eng wie in der Liga und auch der Trim danach wird äußerst aktiv gefahren. Etwas beneiden wir die Störti um die Möglichkeit einen Grinder auf die Großwinsch zu schalten, lassen uns davon aber nicht aufhalten, sondern battlen uns mit der Calypso. Es wird kein Millimeter verschenkt und jeder Böe ausgenutzt. Im kleinen Belt wechseln wir zweimal kurz auf die G4 für die Kreuz, um uns danach wieder von der Jib Top Richtung Kiel ziehen zu lassen. Spätestens jetzt sind auch alle Zweifel der Hinregatta über die Vorzüge dieses Segels verschwunden und wir stellen unseren Tages Top Speed mit 17 kn auf. Kurz nach Einbruch der Dämmerung müssen wir dann auf die G4 wechseln und kommen so nach gut zwölfeinhalb Stunden im Ziel an. Im Hafen begrüßt uns die Störti Crew mit Bier und wir tauschen Erfahrungen der Rückregatta aus. Gegen 03:00 sind schließlich auch die letzten in ihren Kojen und Ruhe kehrt ein.

Am Sonntag räumen wir alles auf, entsalzen und trocknen Boot und Segel und packen die Taschen. Natürlich darf auch das obligatorische und nicht ganz freiwillige Baden für die erste Regatta als Skipperin nicht fehlen, bevor eine sehr schöne und erlebnisreiche Regatta endet.