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Über Motoren auf Segelschiffen

Seit über 24h läuft nun der Motor auf der Störtebeker. “Störtebeker Cargo” - das Schiff ist bis zum Anschlag voll mit Ersatzmaterial, Segeln und persönlichen Sachen. Kombiniert mit der Motorlaufzeit unterscheidet uns also eigentlich nur die geringe Stehhöhe und der Mast von einer klassischen “Shipping Line”, oder?

Unser aktueller Wachrythmus lautet 4 Stunden on, 12 Stunden off. Nach den ersten 8 Stunden Schlaf reicht es einem so langsam. Zeit genug um das ein oder andere ToDo abzuarbeiten und über mehr oder weniger relevante Themen zu sinnieren. Eine in regelmäßigen Abständen gestellte Frage ist, ob Segeln nicht viel schöner wäre als motoren. Grund genug die Sinnhaftigkeit von Dieselmotoren auf Segelbooten ausgiebig zu diskutieren.

 

Während die Nachteile recht schnell zusammengetragen sind (teuer, schwer, laut, bremst beim segeln, penetranter Dieselgeruch unter Deck, Tanken, Wartung…), sind die Vorteile schon eher ein Anlass für geteilte Meinungen. Denn wenn der Motor läuft wird üblicherweise entweder die Batterie geladen oder eine Alternativer Antrieb zum beliebteren Segel benötigt. Beides zum schnellen Segeln also nicht zwingend nötig. Hinzu kommt die hohe Komplexität des An- und Ausmachens beim Segeln. Die Checkliste, ist lang. Sind wir unter 3 Knoten Speed? Ist der Propeller hoch/runter? Ausgekuppelt? Passt die Drehzahl? - alles nicht so einfach.

 

Die Ladung der Batterie durch den Motor hängt eng mit der geplanten Länge des Segelvergnügens zusammen. Bei Tagesregatten wie Les Voiles de Saint Tropez ist es sicherlich überbewertet, und eine Ladung am Landstromkabel für die Displays reicht völlig aus. Bei einer Langstrecke, auf einer Regatta über den Atlantik, wird jeder die Notwendigkeit zur Stromerzeugung verstehen. Sicher, Batterien können mittlerweile viel aber den Energiegehalt von 80l Diesel in Batterien zu verpacken sprengt hier sicherlich Platzbedarf, Gewicht und Preis des Motors um einiges.

 

Die Nutzung des Motors zum Vortrieb ist bequem, im Hafen für die meisten von uns sogar mittlerweile bei größeren Schiffen alternativlos. Schaut man aber in die Geschichte der Seefahrt, so stellen wir uns ziemlich ungeschickt an und könnten unsere kleinen Schiffe sicherlich auch mit Leinen, Ankern und Wind sicher zum Steg manövrieren. Doch wollen wir das wirklich?

 

Ein häufig vergessenes Argument ist die Wärmegewinnung bei vielen Motorstunden in kälteren Gebieten durch die sonst häufig verpönte Abwärme. Zugegebenermaßen ist diese aktuell bei uns an Bord wenig beliebt, das Mittelmeer und die Sonne tagsüber sorgen für ausreichend Wärme an Bord. Auch das Trinkwasser aus dem Tank wird nicht nur durch die Wassertemperatur des Mittelmeers geheizt, sondern durch den Motor. Nichtsdestotrotz ist es besonders an kalten und nassen Tag deutlich einfacher seine Sachen zu trocknen, wenn der Motorblock eine gewisse Wärme abstrahlt.

 

Der am meisten zu diskutierende Aspekt ist sicherlich die Nutzung von Diesel und Motor zum bewältigen von langen Distanzen. So wie wir es gerade tun. Doch was bewegt uns dazu, Geld für Diesel auszugeben um ihn anschließend in Form von Abgas wieder in die Umwelt zu entlassen? Spaß daran mit 6kn und mächtiger Geräuschkulisse durchs Mittelmeer zu fahren - im Verhältnis zum Geschwindigkeitspotenzial der Störtebeker ja eher schleichen - ist es sicher nicht. Viel mehr drängt das Middle Sea Race, die Nachfolgecrew und unsere Rückflüge uns dazu Strecke machen zu müssen. Wenn sich die Flüge und die anstehenden Regatten nach dem uns zur Verfügung stehenden Wind richten würden, könnten wir sicherlich mehr Segeln genießen und hätten auch mehr Segelwechsel als Tankstops im Logbuch stehen. Aber leider bleibt das Wunschdenken und wir sind auf unseren eisernen Freund unter dem Niedergang angewiesen um die Planung von uns, der Nachfolgecrew und der restlichen Saison nicht zu gefährden.

 

Zusammenfassend einigen wir uns darauf, dass ein Motor zum schnellen Ausbauen für Inshore Regatten toll wäre, für lange Regatten und Überführungen könnten wir ihn ja einfach wieder einbauen. Wobei das natürlich den Sicherheitsaspekt des alternativen Antriebs ignoriert - und dieser ist ja für alle Regatten vorgeschrieben.

 

Wir sind also froh, dass der Motor auf der Störtebeker fest eingebaut und zuverlässig ist, den Regeln entspricht und uns in diesem Moment langsam aber stetig in Richtung Sizilien schiebt.

(Dank des netten Tankwartes in Arbatax, Sardinien besitzen wir schon ein reiches Sortiment an kulinarischen Emphehlungen)

 

Mit energiegeladenen Grüßen

die Störtebeker Crew